🧫 Tierseuche · Schwarzwild · Biosicherheit

Afrikanische Schweinepest verständlich erklären und richtig handeln.

Diese Infoseite richtet sich an Bürger, Tierretter, Jäger, Hundehalter, Schweinehalter, Landwirte und Einsatzkräfte. Ziel ist ein klares Verständnis: ASP ist für Menschen ungefährlich, aber für Haus- und Wildschweine eine hochrelevante Tierseuche. Der wichtigste Beitrag jedes Einzelnen ist: keine Kadaver berühren, Fundorte melden, Kontamination vermeiden und Anweisungen der Behörden beachten.

Tot aufgefundenes Wildschwein: nicht anfassen, Fundort sichern, sofort melden.

Ein Wildschwein-Kadaver kann infektiöses Material enthalten. Blut, Gewebe, Sekrete, Erde, Schuhe, Reifen, Kleidung, Werkzeuge, Hunde und Fahrzeuge können Virusmaterial verschleppen. Deshalb gilt: Abstand halten, Standort merken oder per Karten-App markieren, Foto aus sicherer Entfernung machen und zuständige Behörde, Polizei, Jagdausübungsberechtigten oder Veterinäramt informieren.

Die vier wichtigsten Fakten

ASP ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund für konsequente Disziplin. Fehler entstehen meist durch gut gemeintes Anfassen, Wegziehen, Mitnehmen oder unsaubere Ausrüstung.

🐗

Nur Schweine

Empfänglich sind Haus- und Wildschweine. Menschen, Hunde, Katzen und andere Haustiere erkranken nicht an ASP.

🩸

Blut ist kritisch

Blut, Kadaver, Aufbruch, Fleisch, Erde und kontaminierte Gegenstände können Virusmaterial weitertragen.

🥾

Mensch verschleppt

Schuhe, Kleidung, Reifen, Werkzeuge, Jagdausrüstung, Futtermittel und Speisereste sind zentrale Risikowege.

📞

Melden statt handeln

Bei Fallwild, krankem Schwarzwild oder Verdacht keine Bergung in Eigenregie. Zuständige Stellen einschalten.

Was ist ASP?

Afrikanische Schweinepest ist eine schwere virusbedingte Tierseuche der Schweine. Sie betrifft Wildschweine und Hausschweine. Sie ist nicht mit der Klassischen Schweinepest gleichzusetzen und auch nicht mit Aujeszky zu verwechseln.

Für Laien erklärt

ASP ist für Menschen ungefährlich. Sie ist auch keine Erkrankung von Hunden oder Katzen. Gefährlich ist sie, weil infizierte Wildschweine und Hausschweine schwer erkranken können und weil das Virus über Blut, Kadaver, Fleischreste und verschmutzte Gegenstände weitergetragen werden kann.

  • Kein Risiko durch Spaziergang allein.
  • Kein Anfassen toter Wildschweine.
  • Keine Speisereste in der Natur entsorgen.
  • Hunde von Wildschweinkadavern fernhalten.

Für Profis erklärt

ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. In Mitteleuropa erfolgt die Weiterverbreitung vor allem über direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder Kadavern sowie indirekt über kontaminierte Gegenstände, Fahrzeuge, Kleidung, Jagdausrüstung, Maschinen und Fleischprodukte.

  • Kontakt mit Blut ist ein besonders effizienter Übertragungsweg.
  • Klinische Symptome sind schwer, aber unspezifisch.
  • Passive Surveillance über Fallwild ist entscheidend.
  • Biosicherheit ist wichtiger als Aktionismus.

Einsatzablauf bei ASP-Verdacht

Für Tierretter gilt: nicht behandeln, nicht transportieren, nicht bergen. Die Aufgabe ist Gefahrenkontrolle, Dokumentation, Meldung und Kontaminationsvermeidung.

1

Lage erkennen

ASP-Verdacht besteht besonders bei totem Schwarzwild, krank wirkenden Wildschweinen, auffälligem Verhalten oder mehreren Funden in einem Gebiet.

  • Abstand halten und Windrichtung, Gelände und Fluchtwege beachten.
  • Keine Hunde, Helfer oder Schaulustige an den Fund heranlassen.
  • Fundort per GPS/Karten-App markieren.
  • Foto nur aus sicherer Entfernung aufnehmen.
2

Nicht berühren

Jedes Bewegen kann Material verschleppen und die amtliche Beprobung erschweren.

  • Keinen Kadaver anfassen, wegziehen oder einpacken.
  • Kein Blut, Gewebe oder Erde aufnehmen.
  • Keinen Hund schnüffeln lassen.
  • Keine Bergung ohne behördliche Anweisung.
3

Melden

Die Meldung ist der entscheidende Schritt, damit Veterinärbehörde, Jagdausübungsberechtigte und Seuchenbekämpfung reagieren können.

  • Veterinäramt, Polizei, Ordnungsamt oder Jagdausübungsberechtigten informieren.
  • Bei Saarland: Hinweise der Landesbehörden und örtlichen Veterinärverwaltung beachten.
  • Funddaten präzise durchgeben: Ort, Uhrzeit, Zustand, Anzahl, Foto, Erreichbarkeit.
  • Bei lebendem, verletztem Schwarzwild zusätzlich Gefahrenlage melden.
4

Kontamination vermeiden

ASP wird häufig durch indirekte Verschleppung über Menschen und Material begünstigt.

  • Direkten Kontakt zum Fundbereich meiden.
  • Schuhe, Reifen, Handschuhe, Leinen und Ausrüstung prüfen.
  • Bei möglichem Kontakt: Bereich verlassen, Kleidung wechseln, reinigen, desinfizieren.
  • Keine Schweinehaltungen, Wildgehege oder landwirtschaftlichen Betriebe danach aufsuchen.
5

Hundesicherheit

Hunde erkranken nicht an ASP, können aber Blut oder Gewebematerial mechanisch verschleppen.

  • Hund sofort anleinen und vom Fundort wegführen.
  • Kontakt zu Kadaver, Blut, Aufbruch und Wildschweinresten verhindern.
  • Leine, Geschirr, Pfoten und Fell nach Kontakt reinigen.
  • In Sperrzonen Leinenpflicht und Betretungsregelungen strikt beachten.
6

Dokumentieren und übergeben

Gute Dokumentation spart Zeit und verhindert unnötiges Suchen im Gelände.

  • Koordinaten, Adresse, Landmarke oder Wegpunkt notieren.
  • Anzahl und Zustand der Tiere beschreiben.
  • Kontaktpersonen und bereits informierte Stellen notieren.
  • Nach Übergabe keine eigenständigen Nacharbeiten am Fundort durchführen.

Mögliche Anzeichen bei Schweinen und Wildschweinen

Die Symptome sind nicht eindeutig genug, um ASP am lebenden Tier sicher zu erkennen. Diagnose erfolgt durch Laboruntersuchung. Trotzdem sind bestimmte Hinweise ernst zu nehmen.

Bei lebenden Wildschweinen möglich

  • Schwäche, Apathie, fehlende Scheu.
  • Unsicherer Gang oder Zurückbleiben aus der Rotte.
  • Atemnot, Fieberzeichen, reduzierte Fluchtfähigkeit.
  • Blutungen oder auffällige Sekrete können vorkommen, sind aber nicht zwingend sichtbar.

Bei Fallwild wichtig

  • Äußerlich kann ASP nicht sicher erkannt oder ausgeschlossen werden.
  • Auch scheinbar unauffällige Kadaver können relevant sein.
  • Mehrere tote Wildschweine in einem Gebiet sind besonders meldepflichtig.
  • Kadaverlage nicht verändern, damit Such- und Beprobungsteams sauber arbeiten können.

Hinweise für Schweinehalter, Hobbyhaltungen und Betriebe

ASP-Bekämpfung entscheidet sich nicht erst beim Ausbruch, sondern täglich durch Biosicherheit.

A

Biosicherheit

  • Kein Kontakt zwischen Hausschweinen und Wildschweinen.
  • Futter, Einstreu und Stallzugänge vor Wildschweinen sichern.
  • Betriebsfremde Personen und Fahrzeuge begrenzen.
  • Stallkleidung, Schuhwechsel und Reinigung konsequent umsetzen.
B

Keine Speisereste

  • Keine Küchenabfälle, Wurst, Schinken, Salami oder Fleischreste verfüttern.
  • Keine mitgebrachten Fleischprodukte aus Risikogebieten in Stallnähe entsorgen.
  • Keine Jagdausrüstung, Wildschweinprodukte oder kontaminierte Kleidung in Stallbereiche bringen.
  • Bei unklarer Erkrankung im Bestand: Tierarzt/Veterinäramt einschalten.

Häufige Irrtümer

Gerade bei ASP kursieren viele halbrichtige Aussagen. Diese Punkte sollten in der Öffentlichkeitsarbeit klar sein.

✅ Richtig

  • ASP ist für Menschen ungefährlich.
  • Hunde und Katzen erkranken nicht an ASP.
  • Wildschwein-Kadaver können trotzdem gefährlich für die Seuchenlage sein.
  • Der Mensch kann das Virus indirekt verschleppen.
  • Fundorte sollen gemeldet, nicht eigenständig beräumt werden.

🚫 Falsch

  • „Wenn es für Menschen ungefährlich ist, ist es egal.“
  • „Ich ziehe den Kadaver nur kurz an den Wegrand.“
  • „Mein Hund darf mal schnüffeln, er wird ja nicht krank.“
  • „Ein Foto aus nächster Nähe ist wichtig.“
  • „Speisereste im Wald sind harmlos.“

Recht und Zuständigkeit

ASP ist eine anzeigepflichtige Tierseuche. Die fachliche Bewertung, Beprobung, Bergung, Sperrzonen, Kadaversuche, Desinfektion und weitere Maßnahmen liegen bei den zuständigen Behörden. Tierretter unterstützen durch Meldung, Absicherung, Dokumentation und Vermeidung von Verschleppung.

TierseuchenrechtASP unterliegt amtlichen Bekämpfungsmaßnahmen. Verdachtsfälle müssen an die zuständigen Stellen.
Schweinepest-VerordnungRegelt Schutzmaßnahmen; Impfungen und Heilversuche gegen ASP sind verboten.
JagdrechtSchwarzwild ist jagdrechtlich relevant. Jagdausübungsberechtigte und Behörden sind einzubinden.
VeterinäramtZentrale Stelle für Seuchenverdacht, Probennahme, Sperrzonen und Anordnungen.
Polizei/OrdnungsamtBei akuter Gefahrenlage, Straßenfund oder Nichterreichbarkeit weiterer Stellen.
TierretterKeine Eigenbergung. Melden, dokumentieren, absichern und Kontamination vermeiden.

Melde- und Übergabecheck

Diese Angaben sollten sofort bereitstehen, wenn ein ASP-relevanter Fund gemeldet wird.

FundortKoordinaten, Adresse, Waldweg, Landmarke, Karten-Pin.
ZeitpunktUhrzeit des Fundes und Dauer seit Beobachtung.
TierdatenWildschwein, Frischling, Anzahl, lebend/tot, Verhalten.
ZustandKadaver frisch/alt, Blut sichtbar, Verletzung, Auffälligkeiten.
KontaktWer war am Fundort? Hundekontakt? Fahrzeugkontakt?
MaßnahmenWen informiert? Standort markiert? Kontamination vermieden?

Empfohlene Ausrüstung für Tierretter

Nicht zur Bergung, sondern zur sicheren Meldung, Absicherung und Dekontamination nach behördlicher Vorgabe.

📱 Handy mit Karten-App🦺 Warnweste🚧 Absicherungsmaterial🧤 Einmalhandschuhe🥾 Wechsel-/Überschuhe🧴 Desinfektionsmittel nach Vorgabe🧼 Müllbeutel für kontaminiertes Material📝 Fundprotokoll📞 Telefonliste Veterinäramt/Polizei/Jagd🐕 Ersatzleine für Hundeabstand

Fachlicher Hinweis und Quellenstand

Diese Seite ist ein Informations- und Einsatzleitfaden. Sie ersetzt keine behördliche Anordnung, keine tierärztliche Diagnostik und keine amtliche Seuchenbekämpfung. Stand der fachlichen Aufbereitung: 30.05.2026.