🧬 Tierseucheninfo · Stand 30.05.2026

Aujeszky-Krankheit: tödliche Gefahr für Hunde und Katzen nach Schwarzwildkontakt.

Die Aujeszkysche Krankheit, auch Pseudowut oder Pseudorabies genannt, wird durch das Suid Herpesvirus 1 verursacht. Hauptwirt sind Haus- und Wildschweine. Für Menschen gilt das Virus nicht als gefährlich. Für Hunde, Katzen und viele andere Säugetiere endet eine klinische Infektion jedoch in der Regel tödlich.

Grundsatz: Hunde und Katzen niemals an Wildschwein, Aufbruch, Blut, Speichel, Kadaver oder rohes Schweinefleisch lassen.

Ein infiziertes Wildschwein kann äußerlich gesund wirken. Hunde infizieren sich vor allem durch direkten Kontakt mit Schwarzwild oder durch Aufnahme von rohem Wildschweinfleisch, Innereien, Aufbruch, Blut oder Sekreten. Bei Verdacht zählt nicht Abwarten, sondern sofortige tierärztliche und behördliche Abklärung.

Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Diese Punkte müssen Tierretter, Jäger, Hundehalter, Katzenhalter, Landwirte und Einsatzkräfte sicher kennen.

Reservoir

Schweine sind Hauptwirte. In Deutschland gilt der Hausschweinebestand als frei, aber im Schwarzwildbestand kommt der Erreger weiterhin vor.

Hunde/Katzen

Für Hunde und Katzen ist eine klinische Infektion praktisch immer tödlich. Es gibt keine verlässliche Heilbehandlung im Einsatz.

Mensch

Menschen gelten nach Fachinformationen nicht als empfänglich bzw. nicht gefährdet. Hygiene bleibt trotzdem Pflicht.

Vorbeugung

Kein rohes Schweine- oder Wildschweinfleisch, kein Aufbruch, kein Kadaverkontakt, Hunde im Schwarzwildgebiet kontrollieren.

Was ist die Aujeszky-Krankheit?

Die Erkrankung ist eine Herpesvirus-Infektion. Der Name „Pseudowut“ kommt daher, dass manche Symptome bei Fleischfressern an Tollwut erinnern können. Es handelt sich aber nicht um Tollwut.

🧬 Erreger und Hauptwirt

Erreger ist das Suid Herpesvirus 1. Schweine sind der natürliche Hauptwirt. Wie bei Herpesviren typisch, können infizierte Schweine lebenslang latent infiziert bleiben und das Virus unter Stress wieder ausscheiden.

  • Hausschweinebestand Deutschland: offiziell AK-frei seit 2003.
  • Wildschweinbestand: regionaler Erregernachweis weiterhin möglich.
  • Erwachsene Wildschweine können äußerlich gesund wirken.
  • Saugferkel/Hausschweine können schwer erkranken; bei Hausschweinen ist der Verdacht hoch relevant.

☠️ Endwirte: Hund, Katze und andere Säugetiere

Hunde, Katzen, Frettchen, Nerze, Füchse, Rinder, Schafe und weitere Säugetiere können erkranken. Bei diesen sogenannten Fehlwirten endet die Erkrankung meist rasch tödlich.

  • Keine Therapie, die die Erkrankung zuverlässig heilt.
  • Keine Impfung für Hunde/Katzen verfügbar.
  • Bei klinischem Verdacht sofort Tierarzt/Veterinäramt einbinden.
  • Wegen Verwechslungsgefahr mit Tollwut-ähnlichen Symptomen: auffälliges Tier nicht unnötig anfassen.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Für Tierretter und Hundehalter ist wichtig: Nicht nur ein Biss ist riskant. Auch Blut, Speichel, Nasensekret, Organe, rohes Fleisch oder kontaminierte Ausrüstung können problematisch sein.

Direkter SchwarzwildkontaktBeschnuppern, Belecken, Bisskontakt, Stellen, Packen oder Kontakt zu Speichel/Nasensekret eines infizierten Wildschweins.
Rohes Schweine-/WildschweinfleischRohes Fleisch, Innereien, Aufbruch, Blut, Knochen, nicht ausreichend erhitzte Reste oder rohe Kauartikel sind tabu.
Kadaver und UnfallwildHunde und Katzen dürfen nicht an Kadavern, Aufbruchstellen, Nachsuchematerial oder Wildkammerabfällen schnuppern, lecken oder fressen.
Ausrüstung und KleidungMesser, Handschuhe, Schuhe, Wannen, Wildwannen, Leinen, Autos und Boxen können biologisches Material verschleppen.
Hund zu HundEine relevante Weitergabe von Hund zu Hund wird in der Fachinformation nicht als typischer Übertragungsweg beschrieben. Der Risikofokus bleibt Schwarzwildkontakt.
MenschMenschen gelten nicht als gefährdet. Trotzdem: Handschuhe, Händehygiene und Desinfektion sind Pflicht, um andere Erreger und Verschleppung zu vermeiden.

Symptome: Was sieht man bei Hunden und Katzen?

Die Symptome können sehr schnell schwer werden. Der klassische Warnhinweis ist massiver Juckreiz, häufig am Kopf oder an einer Körperstelle. Nicht jedes Tier zeigt alle Zeichen.

Phase / BereichMögliche ZeichenBewertung für Tierretter
Frühe AllgemeinsymptomeMattigkeit, Unruhe, Fieber, Appetitlosigkeit, Wesensveränderung, Winseln, Bellen, Verstecken.Nach Schwarzwildkontakt immer ernst nehmen. Sofort Tierarzt kontaktieren.
JuckreizExtremer Juckreiz, oft am Kopf; Kratzen, Scheuern, Beißen, Selbstverletzung.Alarmzeichen. Nicht „Hautproblem“ abtun, wenn Wildschweinkontakt möglich ist.
Nerven-/GehirnsymptomeKoordinationsstörung, Krämpfe, Lähmungen, Zittern, Desorientierung, Aggression oder Apathie.Eigenschutz. Tier nicht provozieren. Transport nur gesichert und nach tierärztlicher Anweisung.
Maul/Rachen/AtemwegeStarker Speichelfluss, Schluckbeschwerden, Würgen, Erbrechen, Atemnot.Keine Fütterung, kein Wasser einflößen, keine Maulschlinge bei Atemnot.
VerlaufNach Symptombeginn meist rasche Verschlechterung innerhalb kurzer Zeit.Kein Abwarten über Nacht. Klinischer Verdacht ist ein Notfall.

Einsatzprotokoll für Tierretter

Bei Aujeszky geht es im Einsatz um Risikoerkennung, Vermeidung weiterer Kontakte, Hygiene, Dokumentation und schnelle Fachabklärung.

1

Lage erkennen

Schon die Kombination „Hund/Katze + Schwarzwildkontakt + neurologische Symptome/Juckreiz“ ist ein massiver Warnhinweis.

  • Gab es Kontakt zu Wildschwein, Aufbruch, Kadaver, Blut, Speichel oder rohem Wildschweinfleisch?
  • War der Hund bei Jagd, Nachsuche, Unfallwild, Wildkammer oder Spaziergang im Schwarzwildgebiet?
  • Seit wann bestehen Symptome? Wann war der mögliche Kontakt?
  • Halterdaten, Fundort und Ereigniszeit dokumentieren.
2

Kontakt sofort stoppen

Jede weitere Exposition wird unterbunden. Nicht dramatisieren, aber konsequent handeln.

  • Hund/Katze vom Wildschweinmaterial fernhalten.
  • Kein Schnuppern, Lecken, Fressen oder Herumtragen zulassen.
  • Andere Hunde/Katzen aus dem Bereich entfernen.
  • Kadaver, Aufbruch oder kontaminiertes Material nicht eigenmächtig verbringen.
3

Eigenschutz und Hygiene

Für Menschen ist Aujeszky nicht die Hauptgefahr. Trotzdem können Blut, Wildmaterial und Kadaver andere Erreger enthalten.

  • Einmalhandschuhe tragen; bei Spritzgefahr Schutzbrille/FFP-Maske erwägen.
  • Kontaktflächen begrenzen: Plane, Einlage, separater Bereich im Fahrzeug.
  • Leinen, Halsbänder, Boxen, Schuhe und Kleidung als potenziell kontaminiert behandeln.
  • Nach Einsatz Reinigung und geeignete Desinfektion durchführen.
4

Tierarzt und Behörde einbinden

Bei klinischem Verdacht wird nicht „beobachtet“, sondern sofort fachlich abgeklärt.

  • Tierarzt/Tierklinik vor Ankunft telefonisch informieren: „Verdacht Aujeszky nach Schwarzwildkontakt“.
  • Bei Hausschwein-/Schweinebestandbezug: Veterinäramt unverzüglich informieren.
  • Bei Wildschweinkadaver: zuständige Stelle/Jagdausübungsberechtigten/Behörde informieren.
  • Bei auffälligem, aggressivem oder neurologisch verändertem Tier Eigenschutz vor Transport stellen.
5

Transport nur kontrolliert

Ein symptomatisches Tier kann panisch, schmerzhaft, bissig, krampfend oder atemauffällig sein.

  • Direkt zur angekündigten Tierarztpraxis/Tierklinik transportieren.
  • Tier gesichert, reizarm, gut belüftet und ohne Kontakt zu anderen Tieren transportieren.
  • Keine Fütterung, keine Beruhigungsmittel ohne tierärztliche Anweisung.
  • Fahrzeugfläche anschließend reinigen und desinfizieren.
6

Übergabe vollständig machen

Die Anamnese ist entscheidend. Ohne Wildschweinbezug wird Aujeszky leicht übersehen.

  • Art des Kontaktes: Biss, Lecken, Fressen, Schnuppern, Aufbruch, Kadaver, rohes Fleisch.
  • Zeitpunkt des Kontaktes und Symptombeginn.
  • Symptome: Juckreiz, Speicheln, Erbrechen, Atemnot, Krämpfe, Verhalten.
  • Bereits gereinigte/desinfizierte Materialien und mögliche weitere exponierte Tiere nennen.

Vorbeugung: Was schützt Hunde und Katzen wirklich?

Da eine Erkrankung bei Hund und Katze praktisch nicht behandelbar ist, ist Prävention der einzige sinnvolle Schutz.

✅ Richtig

  • Hunde in Schwarzwildgebieten kontrolliert führen; bei Jagd/Nachsuche strenge Hygiene.
  • Wildschwein-Aufbruch, Blut, Organe und Kadaver konsequent unzugänglich machen.
  • Kein rohes Schweinefleisch oder Wildschweinfleisch an Hunde/Katzen verfüttern.
  • Nach Schwarzwildkontakt Hund, Ausrüstung und Fahrzeug kontrolliert reinigen.
  • Jäger: Wildkammerabfälle sicher entsorgen; Hunde nicht am Aufbruch fressen lassen.

🚫 Falsch und gefährlich

  • „Mein Hund frisst das schon immer“ – das ist kein Schutz.
  • „Das Wildschwein sah gesund aus“ – infizierte Schweine können unauffällig sein.
  • „Einfrieren macht es sicher“ – darauf darf man sich nicht verlassen.
  • „Nur ein bisschen Blut geleckt“ – auch Sekrete und Blutkontakt sind relevant.
  • „Erst mal beobachten“ bei Symptomen nach Kontakt – falsch; sofort Tierarzt.

Hinweise nach Zielgruppe

Die Infoseite soll Laien und Profis gleichermaßen helfen. Die Maßnahmen unterscheiden sich je nach Rolle.

👨‍👩‍👧 HundehalterKein rohes Schweine-/Wildschweinfleisch. Hund an Wildschweinkadavern sofort wegführen. Nach Kontakt Tierarzt informieren, besonders bei Juckreiz, Speicheln, Unruhe oder neurologischen Symptomen.
🐈 KatzenhalterKatzen können sich ebenfalls infizieren. Freigängerkatzen nicht mit rohem Schweinefleisch füttern. Bei plötzlichem Juckreiz, Speicheln, Krämpfen oder Verhaltensänderung sofort Tierarzt.
🦺 TierretterKontaktanamnese sichern, Tierarzt vorwarnen, kontaminierte Ausrüstung separat behandeln, keine Eigenbehandlung und keine unnötige Manipulation am Tier.
🌲 Jäger/NachsucheJagdhunde nicht an Aufbruch oder Kadaver lassen. Nach Schwarzwildkontakt reinigen. Wildkammerhygiene und sichere Entsorgung sind zentrale Schutzmaßnahmen.
🐖 SchweinehalterHausschweinebestand schützen: Biosicherheit, kein Wildschweinkontakt, keine kontaminierte Kleidung/Schuhe in den Stall. Verdacht sofort Veterinäramt melden.
🏥 Tierarzt/FachstelleBei Hund/Katze mit neurologischen Symptomen und Schwarzwildanamnese Aujeszky differenzialdiagnostisch mitdenken, Praxisablauf und Proben/Diagnostik fachlich planen.

Recht und Meldung: Was ist zu beachten?

Die rechtliche Bewertung hängt davon ab, ob es um Wildschwein, Hausschwein/Hausrind, Hund/Katze oder einen Tierseuchenverdacht im Bestand geht.

⚖️ Anzeigepflicht und Schweinebestände

Die Aujeszkysche Krankheit ist in Deutschland als Tierseuchenthema rechtlich geregelt. Besonders relevant ist der Verdacht bei Hausschweinen beziehungsweise empfänglichen Nutztierbeständen.

  • Bei Verdacht im Hausschweinebestand: unverzüglich zuständiges Veterinäramt informieren.
  • Nicht selbst behandeln, verbringen oder „erst beobachten“, wenn ein Bestand betroffen sein könnte.
  • Die Aujeszky-Verordnung regelt Schutzmaßregeln bei Schweinen.
  • Heilversuche und Impfungen gegen Aujeszky bei Schweinen sind nach der Verordnung verboten.

🐗 Wildschwein und Jagdbezug

Beim Wildschwein steht neben Aujeszky auch ASP, Trichinenhygiene, Wildbrethygiene und Jagdrecht im Raum. Wildschweinkadaver und Unfallwild werden nicht eigenmächtig angefasst oder verbracht.

  • Jagdausübungsberechtigten, Polizei oder zuständige Behörde informieren.
  • Fundort dokumentieren, Fotos nur aus sicherem Abstand.
  • Hunde fernhalten, auch wenn kein Aujeszky-Verdacht sichtbar ist.
  • Bei mehreren exponierten Hunden/Katzen alle Halter informieren.

Häufige Irrtümer sauber erklärt

Gerade bei Aujeszky kursieren viele gefährliche Halbwahrheiten.

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Ist Aujeszky für Menschen gefährlich?

Nach den einschlägigen Fachinformationen gelten Menschen nicht als empfänglich beziehungsweise nicht gefährdet. Schutzkleidung ist trotzdem sinnvoll, weil Wildtiere, Blut und Kadaver andere Erreger übertragen können.

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Kann mein Hund gegen Aujeszky geimpft werden?

Für Hunde und Katzen steht keine übliche Schutzimpfung zur Verfügung. Der Schutz besteht aus Kontaktvermeidung und konsequenter Fütterungs-/Wildhygiene.

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Reicht Einfrieren von Wildschweinfleisch?

Nein, als Schutzmaßnahme für Hunde/Katzen ist Einfrieren nicht geeignet. Rohes oder unzureichend erhitztes Schweine-/Wildschweinfleisch gehört nicht in den Napf.

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Sieht man kranke Wildschweine sicher?

Nein. Erwachsene Wildschweine können infiziert sein und trotzdem unauffällig wirken. Deshalb gilt jedes Wildschweinmaterial für Hunde als potenzielles Risiko.

Melde- und Übergabecheck bei Verdacht

Diese Angaben gehören an Tierarzt, Tierklinik, Veterinäramt oder zuständige Stelle. Je genauer die Angaben, desto schneller kann richtig entschieden werden.

TierdatenHund/Katze/anderes Tier, Alter, Rasse, Gewicht, Halterkontakt.
KontaktartWildschwein, Kadaver, Aufbruch, Blut, rohes Fleisch, Wildkammer, Nachsuche.
ZeitachseWann war Kontakt? Wann begannen Symptome? Verlauf in Stunden/Tagen.
SymptomeJuckreiz, Speicheln, Schluckbeschwerden, Erbrechen, Atemnot, Krämpfe, Verhalten.
Weitere TiereAndere Hunde/Katzen beteiligt? Schweinebestand in Nähe? Kontakt zu Nutztieren?
HygieneWelche Ausrüstung/Kleidung/Fahrzeuge kontaminiert? Bereits gereinigt/desinfiziert?

Empfohlene Ausrüstung für Tierretter

Aujeszky-Schutz ist vor allem Kontaktvermeidung, Dokumentation und Hygiene.

🧤 Einmalhandschuhe🥽 Schutzbrille😷 FFP-Maske bei Kadaver/Blut/Spritzgefahr🧴 Händedesinfektion🧼 Flächendesinfektion🗑️ Müllsäcke🧻 Einmalunterlagen📍 GPS/Karten-App📷 Fotodokumentation📋 Einsatzprotokoll📱 Telefonliste Tierarzt/VetAmt/Jagd🚫 Absperrband

Fachlicher Hinweis und Quellen

Diese Seite ist eine Informations- und Einsatzhilfe. Sie ersetzt keine tierärztliche Diagnose, keine behördliche Entscheidung und keine Laboruntersuchung. Bei Verdacht: Tierarzt/Tierklinik und zuständige Veterinärbehörde einbinden.