🐿️ Einsatzleitfaden

Eichhörnchen richtig sichern, wärmen und übergeben.

Dieser Onepager beschreibt den professionellen Umgang mit gefundenen Eichhörnchen: von Jungtieren, Sturz- und Katzenopfern bis zu adulten verletzten Tieren. Ziel ist immer: sichern, warmhalten, Stress reduzieren, Rückführung prüfen und schnell fachkundige Hilfe einbinden.

Grundsatz: Jungtiere, die Menschen folgen, suchen Hilfe – nicht wegjagen.

Eichhörnchen-Findelkinder verlieren in echter Not oft ihre Scheu. Wenn ein Jungtier einem Menschen hinterherläuft, am Bein hochklettert oder sich leicht aufnehmen lässt, ist das kein „zahmes“ Verhalten und kein Grund zur Entwarnung. Es kann Hunger, Unterkühlung, Erschöpfung oder den Verlust des Muttertiers anzeigen. Sofort sichern, wärmen und Fachstelle anrufen.

Die vier Sofort-Prioritäten

Bei Eichhörnchen entscheidet ruhiges, konsequentes Vorgehen. Falsche Erstversorgung kann mehr schaden als helfen.

🛡️

Eigenschutz

Bissschutz, Handschuhe, Verkehr, Katzen, Hunde, Krähen und Sturzgefahr beachten.

📦

Sichern

Mit Tuch aufnehmen, in kleine Box setzen, Ausbruch verhindern, keine Käfiggitter verwenden.

🌡️

Wärmen

Besonders Jungtiere zuerst wärmen. Wärmequelle so einlegen, dass das Tier ausweichen kann.

📞

Fachstelle

Eichhörnchen in Not Saar oder Wildtierauffangstation Eppelborn kontaktieren.

Einsatzprotokoll für Tierretter

Der Ablauf ist auf sichere Erstmaßnahmen ausgelegt. Keine Experimente, keine Eigenaufzucht, keine unnötige Behandlung vor Ort.

1

Lage sichern und Situation einordnen

Vor jeder Aufnahme wird die Umgebung geprüft. Eichhörnchen sind schnell, wendig und können bei Schmerzen kräftig beißen.

  • Fundort sichern: Straße, Parkplatz, Katze, Hund, Krähen, Baumfällung, Sturm, Baustelle oder Gartenarbeiten beachten.
  • Weitere Jungtiere suchen: Oft ist nicht nur ein Tier betroffen.
  • Fundort, Uhrzeit, Zustand, Wetter und mögliche Ursache dokumentieren.
  • Bei Kontakt mit Katze oder Hund: immer als Notfall einstufen und Fachstelle/Tierarzt einbinden.
2

Stressarm aufnehmen und sichern

Das Tier wird nicht gejagt und nicht vorgeführt. Kurzer, ruhiger Zugriff ist besser als langes Hinterherlaufen.

  • Handschuhe tragen und ein weiches Handtuch oder T-Shirt verwenden.
  • Von oben mit dem Tuch abdecken, Körper vollständig umschließen und ruhig in die Box setzen.
  • Jungtiere dürfen angefasst werden. Menschengeruch verhindert die Rückführung nicht.
  • Adulte Tiere nur so kurz wie möglich halten: Bissgefahr, Stress und Kreislaufbelastung beachten.
3

Box vorbereiten: dunkel, warm, ausbruchsicher

Die Transportbox ist die wichtigste Sofortmaßnahme. Sie muss sicher, ruhig und reizarm sein.

  • Kleiner Karton oder stabile Transportbox mit Luftlöchern verwenden.
  • Weiche Unterlage einlegen: Fleece, Handtuch, T-Shirt oder Küchenpapier.
  • Wärmequelle bei Jungtieren: lauwarme Wärmflasche oder PET-Flasche, immer mit Tuch umwickelt.
  • Box schließen, dunkel stellen, Haustiere und Kinder fernhalten.
4

Keine falsche Erstversorgung

Viele Schäden entstehen durch gut gemeinte, aber falsche Fütterung oder Flüssigkeitsgabe.

  • Keine Kuhmilch, keine Katzenmilch, keine Nüsse, kein Obst, kein Brot, kein Aufzuchtversuch.
  • Kein Wasser in den Mund geben: Aspirationsgefahr.
  • Keine Medikamente, keine Flohmittel, keine Salben und keine Desinfektionsmittel ohne fachliche Anweisung.
  • Nicht baden, nicht kühlen, nicht unnötig untersuchen.
5

Transport vorbereiten

Transport nur nach telefonischer Abstimmung, wenn möglich. Die Fachstelle entscheidet, ob Rückführung, Tierarzt oder Aufnahme sinnvoll ist.

  • Box im Fahrzeug sichern, nicht in Sonne, Zugluft oder Fußraumhitze stellen.
  • Wärmequelle regelmäßig prüfen: angenehm warm, nie heiß.
  • Keine laute Musik, keine ständige Kontrolle, keine Fotosessions.
  • Funddaten, Symptome und Finderkontakt zur Übergabe bereithalten.
6

Übergabe und Dokumentation

Eine saubere Übergabe spart Zeit und verbessert die Überlebenschance.

  • Fundort möglichst genau nennen: Adresse, Baum, Garten, Straße, Baustelle oder Koordinaten.
  • Zustand beschreiben: warm/kalt, wach/apathisch, Blutung, Biss, Krampf, Lähmung, Fliegenbefall.
  • Ursache nennen: Katze, Hund, Sturz, Verkehr, Baumfällung, Gewitter, Kobel zerstört.
  • Bereits durchgeführte Maßnahmen ehrlich angeben.

Jungtiere: Wann Rückführung, wann sofort aufnehmen?

Rückführung ist sinnvoll, wenn das Jungtier unverletzt, stabil und warm ist und die Umgebung sicher bleibt. Sie ist nicht sinnvoll, wenn Gefahr, Verletzung oder starke Schwäche vorliegt.

✅ Rückführungsversuch möglich, wenn

  • das Jungtier unverletzt wirkt und keine Blutung sichtbar ist,
  • es warm, reaktionsfähig und nicht apathisch ist,
  • keine Katze, kein Hund, keine Krähen und kein Verkehr unmittelbar gefährden,
  • das Muttertier in der Nähe vermutet wird oder der Kobel erreichbar ist,
  • der Versuch überwacht werden kann, ohne das Muttertier zu stören.

🚫 Kein Rückführungsversuch bei

  • Unterkühlung, Apathie, Schwäche, Krämpfen oder Atemnot,
  • Blutung, Wunden, Fliegenmaden, Lahmheit oder Sturzverdacht,
  • Kontakt mit Katze oder Hund, auch ohne sichtbare Verletzung,
  • Dunkelheit, Kälte, Starkregen, Sturm oder unsicherer Fundstelle,
  • Baumfällung, zerstörtem Kobel oder mehreren verstreuten Jungtieren.
A

Rückführung praktisch durchführen

  • Jungtier zuerst wärmen und kurz prüfen.
  • In flache, sichere Box mit Tuch und Wärmequelle setzen.
  • Box nahe am Fundort erhöht oder geschützt platzieren, nicht offen auf kalten Boden legen.
  • Abstand halten, aber Sichtkontakt behalten, um Katzen, Krähen oder Hunde fernzuhalten.
  • Bei Ausbleiben der Mutter, Verschlechterung oder Dämmerung: Versuch abbrechen und Fachstelle kontaktieren.
B

Besondere Notfallsituationen

  • Jungtier folgt Mensch: sichern, nicht wegsetzen und nicht verscheuchen.
  • Nacktes oder sehr kleines Baby: sofort wärmen und Fachstelle anrufen.
  • Fliegen/Maden/Eier am Tier: dringender Notfall.
  • Katzenkontakt: dringender Notfall wegen Infektionsrisiko.
  • Adulter Unfallpatient: ruhig sichern, nicht füttern, schneller Transport nach Rücksprache.

Ansprechpartner im Saarland

Vor Transport immer telefonisch anmelden. Aufnahmebedingungen, Zuständigkeiten und Kapazitäten können tagesaktuell wechseln.

Eichhörnchen in Not Saar

Adresse:
Holzer Straße 57
66265 Heusweiler

Telefon: 0176 22326996

E-Mail: Monika@pfister-heusweiler.de

Hinweis: Spezialisiert auf Eichhörnchen und Bilche, Jungtierrettung, Unfallversorgung, Rehabilitation und Auswilderung.

Wildtierauffangstation Eppelborn

Adresse:
Im Klingelfloß
66571 Eppelborn

Telefon: 0681 9712-839 oder 0160 98949866

Öffnungszeiten:
01.04.–30.09.: Mo–Fr 08:00–13:30 Uhr und 18:30–19:30 Uhr; Wochenende/Feiertag 10:00–11:00 Uhr.
01.10.–31.03.: Mo–Fr 10:00–12:00 Uhr und 18:30–19:00 Uhr.

Hinweis: Auffang- und Pflegestation für Säugetiere, keine Wildvögel. Beratung zur Erstversorgung während der Öffnungszeiten.

Übergabecheck: Diese Angaben müssen mit

Je genauer die Daten, desto schneller kann entschieden werden, ob Rückführung, tierärztliche Behandlung oder Aufnahme nötig ist.

FundortAdresse, Koordinaten, Baum, Garten, Straße, Baustelle oder Park.
FundzeitUhrzeit des Auffindens und Dauer der Beobachtung.
Alter/ZustandNackt, Fell, Augen offen/geschlossen, warm/kalt, aktiv/apathisch.
UrsacheKatze, Hund, Sturz, Verkehr, Baumfällung, Kobel zerstört, unbekannt.
MaßnahmenGewärmt, Box, Rückführung versucht, Transportbeginn, Kontaktaufnahme.
FinderkontaktName, Telefonnummer und Erreichbarkeit für Rückfragen.

Rechtlicher Rahmen für Tierretter

Eichhörnchen sind Wildtiere und keine Haustiere. Hilfe ist erlaubt, aber nur als Notfallhilfe mit dem Ziel der Gesundpflege und Wiederauswilderung.

Bundesnaturschutzgesetz

  • Für besonders geschützte Arten gelten Zugriffs- und Besitzverbote.
  • Verletzte, hilflose oder kranke Tiere dürfen zur Gesundpflege aufgenommen werden.
  • Sobald sie sich selbstständig erhalten können, müssen sie unverzüglich freigelassen werden.
  • Andernfalls sind sie an eine von der zuständigen Naturschutzbehörde bestimmte Stelle abzugeben.

Für den Einsatz bedeutet das

  • Keine private Dauerhaltung.
  • Keine Eigenaufzucht ohne Fachkunde und ohne fachliche Anbindung.
  • Keine Entnahme gesunder Wildtiere aus der Natur.
  • Keine Freilassung geschwächter, unterkühlter oder verletzter Tiere.

Empfohlene Ausrüstung im Einsatzfahrzeug

Für Eichhörnchen braucht es keine große Technik, sondern das richtige Material für Wärme, Ruhe und Ausbruchssicherheit.

📦 kleine Kartons 🧺 Fleece / T-Shirts 🧤 feste Handschuhe 🌡️ Wärmflasche / PET-Flasche 🧻 Küchenpapier 📝 Fundprotokoll 📱 Telefonliste Fachstellen 🔦 Stirnlampe 🧼 Händedesinfektion 🚧 Absicherungsmaterial

Fachlicher Hinweis und Quellenlage

Diese Seite ist ein Einsatz- und Organisationsleitfaden für Tierretter. Sie ersetzt keine tierärztliche Diagnose und keine Beratung durch spezialisierte Eichhörnchen- oder Wildtierstationen. Stand der Kontaktdaten und Rechtsrecherche: 29.05.2026.